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Publiziert von: NORDSEE-ZEITUNG

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Das Ziel: Auch Garstedt soll eine Biogas-Anlage bekommen

22.10.2006 / Eckhard Herbert Arndt

Ansicht einer Biogasanlage
Foto: Ansicht einer Biogasanlage

Erstmalige Vorstellung des Vorhabens auf Bauausschuss-Sitzung- Noch viele Fragen zu beantworten -

Das Thema „Biogas“-Anlagen hat auch den Landkreis Harburg erreicht. Derzeit wird für mehrere Standorte die Errichtung einer solchen Anlage, mit der sich Strom und Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugen lassen, diskutiert. Der Ort Garstedt wird diese Liste der potenziellen Standorte jetzt ergänzen. Auf seiner jüngsten öffentlichen Bauausschuss-Sitzung im Haus Tannenhöhe wurde das Projekt, als wichtigster Tagesordnungpunkt, ausführlich vorgestellt. Der Garstedter Landwirt Andreas Lühr will eine solche Anlage bauen und hat dafür das zum Conergy-Konzern gehörende Tochterunternehmen Voltwerk AG als denkbaren Partner gewonnen. Rund 30 Zuhörer waren erschienen.

Vor allem Maissilage als Rohstoff

Nach derzeitigem Stand der Überlegungen soll die Anlage auf einem rund 34.000 m² großen Grundstück in der Feldmark in Richtung Vierhöfen entstehen. Die Fläche, über Landwirt Lühr verfügt, befindet sich in der Nähe des Betriebsgeländes des ortsansäsigen Kunststoffwerks. Das Konzept, präsentiert von Sebastion Averdung, Projektmanager bei Voltwerk AG, sowie von Ralph von der Weiden-Embers, Abteilungsleiter bei der ebenfalls zur Conergy- Gruppe gehörenden Firma SunTechnics, sieht den Bau einer Anlage mit einer Leistung von 626 kWel vor. „Die Energie soll ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maissilage und Gülle gewonnen werden. Schlachtabfälle sind für diese Anlage nicht vorgesehen“, betonte Averdung.

Blockheizkraftwerk erzeugt Strom und Wärme

Das denkbare Vertragskonstrukt sähe vor, dass Voltwerk als Finanzier und Betreiber der Anlage einträte, und zwar für einen Nutzungszeitraum von 20 Jahren. Lühr würde als Systempartner eingebunden und entsprechend vergütet, in dem er für die Bevorratung der Biogas-Anlage mit den benötigten Rohstoffe zu sorgen haben. Auch muss er sich darum kümmern, dass die Reststoffe, so genannte Gärreste, in den entsprechenden Zeiträumen – April und Oktober – auf die Felder verbracht werden. Averdung: „Diese Gärreste stellen einen hochwertigen Dünger dar.“ Zu den Kernbestandteilen der Anlage gehört das Blockheizkraftwerk, in dem das gewonnene Biogas zu Strom und Wärme umgewandelt wird. Etwa die Hälfte der Wärme wird für die Aufrechterhaltung des Umwandlungsprozesses in der Anlage benötigt, „die andere Hälfte könnte an Nutzer, zum Beispiel Häuser, abgegeben werden“, skzizzierte Averdung. Der Strom soll in das öffentliche Netz eingespeist werden, wofür ein entsprechender Vertrag mit dem regionalen Energieversorger abgeschlossen werden müsste und die entsprechenden Anschlüsse an einen Übergabepunkt eingerichtet werden müssten. Der Energieversorger müsse den Strom abnehmen, weil das über das Bundesgesetz „Erneuerbare -Energie-Gesetz“ (EEG) verbindlich geregelt ist. Das schließt entsprechende Vergütungssätze ein, so Averdung.

Mehrere hundert Transportfahrten im Jahr

Die Belieferung der Anlage soll vor allem aus dem näheren Garstedter Umfeld erfolgen. Averdung: „Für diese Anlage benötigen wir 200 Hektar Anbaufläche.“ Mit der Ver- und Entsorgung der Anlage, zu deren baulichen Bestandteilen neben dem kompakten Blockheizkraftwerk auch mehrere Silos (bis zu sechs m Höhe) sowie Verkehrsflächen gehören, sind, das räumte Averdung ein, auch mehrere hundert Transportfahrten verbunden. Dabei sei es unvermeidlich, dass ein Teil dieser Beförderungen auch durch den Ort führen müssten. „Doch die Masse erfolgt aus der Feldmark heraus“, versicherte Lühr. Zum Einsatz würden dabei Traktoren mit Anhänger kommen, keine Lkw. Immerhin: Auf Jahresbasis fallen für diese Anlage rund 11.000 t Maissilage sowie rund 3.650 t Gülle an.

Die Ratsmitglieder nutzten die von Bauausschuss-Vorsitz Matthias Öhler (UWG) eingeräumte Gelegenheit, sich noch in der Sitzung zu informieren. Etwa, wie es um die Sicherheit Anlage bestellt sei, ob mit Geruchsbelästigung zu rechnen sei oder wie sich die Transportintensität zur Bewältigung der umfangreichen Stoffströme auf den Ort auswirkten sei. Auch stelle sich die Frage nach dem richtigen Standort. Averdung dazu: „Was den Standort angeht, da sind wir ganz offen.“ Der ebenfalls anwesende Planer vom Lüneburger Planungsbüro Patt + Stöhr, Wolfgang Stöhr, ging kurz auf die planungsrechtlichen Fragen ein. Die Größenordnung des Projektes sowie das ins Auge gefasste Grundstück bedingten unter anderem, dass der Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Salzhausen angepasst werden müsse. Darüber hinaus zeichne sich ab, dass die Gemeinde Garstedt auch einen Bebauungsplan aufstellen müsse, was aber noch zu prüfen sei.

Die Ratsmitglieder wollen sich mit dem Thema „Biogasanlagen“ noch in den nächsten Wochen weiter beschäftigen. So regte Dieter Morgen (CDU) an, den Vorschlag der Voltwerk AG, das von ihr in Gollensdorf (Sachsen-Anhalt/Landkreis Stendal, d.Red.) betriebene Biogas-Anlage zu besichtigen, anzunehmen, um so den eigenen Entscheidungsprozess mit entsprechenden, direkt gewonnenen Eindrücken und Fakten abzusichern.

Das Thema „Biogas“-Anlagen hat auch den Landkreis Harburg erreicht. Derzeit wird für mehrere Standorte die Errichtung einer solchen Anlage, mit der sich Strom und Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugen lassen, diskutiert.

 

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